Westdeusche Zeitung, 19.1.2005, von Daniel Marquardt

Riesen-Tiger begleitet jecke WZ-Truppe

Der bekannte Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly baut für die WZ-Fußgruppe im Rosenmontagszug eine riesige Raubkatze. Die WZ schaute ihm über die Schulter.

Seit Weihnachten herrscht Hochkonjunktur bei Jacques Tilly (41) und seiner Kollegin Doris George (29). Eigentlich sind die beiden ja Bildhauer, aber ihre große Passion ist der Bau von Karnevalswagen. Im Auftrag der Krefelder WZ bastelt Tillys Team zurzeit in der Düsseldorfer Wagenbauhalle fleißig an einem Tiger.

Schließlich hat die Redaktion die Patenschaft über die Sumatra-Tiger Sutera und Beludru und deren Kinder Ratu und Raja im Krefelder Zoo übernommen. Und beim Rosenmontagszug wird die WZ mit einer Tiger-Fußgruppe mitziehen. Fast 100 WZ-Leser und -Leserinnen aller Altersgruppen haben sich für die muntere Truppe angemeldet - alle dürfen mitziehen. Der Riesentiger wird das Erkennungszeichen.

Damit der Karnevalstiger so original wie möglich wird, hat sich Jacques Tilly zunächst Bilder der Raubkatzen besorgt und eine farbige maßstabgetreue Skizze gezeichnet - die Vorlage, nach der gearbeitet wird. Ist dies geschehen, wird der Körper aus Maschendraht zurecht gebogen, bis alles an der richtigen Stelle sitzt. "Das Drahten dauert am längsten", weiß Tilly, "das liegt an den vielen Muskelschichten."

Das dafür nötige Fingerspitzengefühl besitzt auch Doris George. Als sie sich das erste Mal bei Tilly vorstellt - aus Interesse am Karnevalswagenbau - habe er sich zunächst gefragt: "Was will die hier, die kann doch schon alles", verrät er mit einem Schmunzeln. Die Fertigkeiten hat sie im Phantasialand erworben, wo sie Kulissen baute. "Es ist einfach faszinierend. Man hat mehr Freiheiten in der Gestaltung und kann den Bau eines Wagens von Anfang bis zum Ende verfolgen", sagt die selbständige Bildhauerin. Die Arbeit werde nie langweilig, schließlich kommen außerhalb der Session auch andere Aufträge - Kulissen für Filmsets und Discotheken oder Messebauten.

Die Arbeit für die Jecken beginnt schon im Sommer. Und spätestens zu Weihnachten juckt es mächtig in den Fingern, erzählt Tilly: "Ab da herrscht ein hoher Zeitdruck und wir arbeiten oft von frühmorgens bis nach Mitternacht." Mit seinem Team - bestehend aus fünf Leuten - schafft Jacques Tilly bis zu 20 Wagen pro Session. Insgesamt hat er in den zwanzig Jahren seines Schaffens über 100 Karnevalswagen gebaut, schätzt er. Alleine der Tiger hat schon gute anderthalb Wochen in Anspruch genommen. Wie viele Arbeitsstunden darin stecken, weiß er nicht, er hat sie nicht gezählt.

Nun ist der König des Dschungels fast fertig. Nur hier und da fehlen noch ein paar Farbtupfer. Die werden jetzt mit Pinsel und Airbrush-Technik aufgebracht. "Eine Mischung ist immer das Beste", erklärt Tilly. Und wenn dann auch noch der Boden grün gefärbt ist, kann der Tiger seinem Bestimmungszweck übergeben werden. Er ziert dann den Safari-Jeep, mit dem die Krefelder WZ-Redaktion beim Rosenmontagszug am 7. Februar ihre Kamelle unters Volk bringt. Na dann, ein kräftig gebrülltes "Krefelder Helau".