Rheinische Post, 29.5.2010

Jacques Tilly ging bei Butter in die Bütt

Jacques Tilly bei der Agentur Butter. Als Konstrukteur der Wagen für den Rosenmontagszug wurde er berühmt. Jetzt war er bei einer Werbeagentur als Gastreferent eingeladen und begeisterte.

(ho-) Ein bisschen war es auch Werbung in eigener Sache, als Düsseldorfs berühmt-berüchtigter Erbauer der Rosenmontagszug-Wagen, Jacques Tilly, gestern in der Werbeagentur Butter über seine Arbeit und sein Leben sprach. Was - das nur am Rande - zu einem großen Teil deckungsgleich ist. Die Agentur, die in einem kühl gestylten Hinterhof der Bilker Kronprinzenstraße kreativ ist, lädt immer wieder externe Referenten ein, um deren Erfahrungsschatz zu bewundern, davon zu profitieren, oder schlicht nur einmal eine völlig andere Sicht auf die Dinge dieser Welt zu hören. Gerne denkt man noch daran, wie einst Thomas Anders, die zweite Hälfte von Modern Talking (damals noch mit Nora-Halskettchen, wie Agentur-Chef Rolf Schlicket sich gestern erinnerte), vor den Butter-Mitarbeitern sprach.

Nun also Tilly. Für ihn war's ein Heimspiel. Nicht nur, weil er solche Auftritte liebt, sie souverän und voll mit hintergründigem, oft ätzendem Humor, inszeniert. Nein, dieses Mal durfte er sich auch deshalb daheim fühlen, weil er einer ist, der Botschaften stark vereinfacht, sie auf den Punkt bringt und auf den ersten Blick und binnen Sekunden begreifbar rüberbringt. Und die Zuhörer waren durchweg Leute, die genau das wollen, können oder gerade lernen. Ergo hingen die rund 50 Nachwuchswerber an den Lippen des Meisters der dreidimensionalen Sprache und hörten sehr gespannt zu, wie er seinen Werdegang schilderte, der ihn am Ende zum Universal-Dilettanten werden ließ. Schon dieser Begriff löste breites Entzücken aus. Und als er dann noch hinterher schob, dass er über Opfer nie spotte, aber dass Täter sich bei ihm einiges gefallen lassen müssen, war dem Mann in der Butter-Bütt reichlich Beifall sicher.

Kurz und gut: Tilly sprach zwar gut eine Stunde, aber langweilig wurde es den Zuhörern nicht eine Sekunde. Was natürlich daran liegt, dass der Mann wirklich was zu erzählen und - vor allem - Erfolg hat. Eindrucksvoll jedenfalls die gewaltigen Tableaus mit den Titeln deutscher Tageszeitungen, die an einem Dienstag nach Rosenmontag alle das Bild von Tilly Rosenmontags-Wagen drucken, der George Bush und Saddam Hussein im Kuschelbett zeigt. Was da in einigen Köpfen abging, war unübersehbar: Da ratterten die kleinen grauen Rechner-Zellen, und am Ende stand eine Summe für den Werbewert eines solchen Medienauftritts, der Fachleuten glitzernde Augen beschert. Und einen neuen Blick auf den Düsseldorfer Karneval: Dass dort an der Spitze mit Zugleiter Hermann Schmitz und CC-Geschäftsführer Jürgen Rieck zwei Männer sitzen, die einem Narren wie Tilly wirklich seine Freiheit lassen, und dies aus kühler Berechnung, dass Frechheit auch PR-mäßig siegt, hinterließ tiefen Eindruck.

Bildtext:
Jacques Tilly, der Konstrukteur der Wagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug, war gestern Gast-Referent bei der Agentur Butter in Bilk.
RP-FOTO: WERNER GABRIEL