Rede von Jacques Tilly zur Wandbildenthüllung am 1.10.2010

Zuallererst muss ich mal ein dickes, fettes Lob loswerden – und nach zwei Jahren Zusammenarbeit steht mir ja wohl ein Urteil zu:

Ihr, die Theodor-Heuss Grundschule seid wirklich eine phantastische Schule.

Ich finde es großartig, was hier möglich gewesen ist, dass ihr zwei Jahre durchgehalten habt, und was hier am Ende entstanden ist.

Von wegen Problemschule, sozialer Brennpunkt, im Gegenteil: ich habe hier nur hochmotivierte und begeisterte, hellwache Kinder erlebt. Und sehr engagierte und experimentierfreudige Lehrer und Schulleiter.
Es gibt nicht viele Schulen in Düsseldorf, die so ein ungewöhnliches Projekt zugelassen und auch noch den langen Atem gehabt hätten, dieses Projekt so erfolgreich zu Ende zu führen.

In diese Schule hätte ich meine Kinder auch gerne geschickt.

Und es war ja schon ein wenig größenwahnsinnig, was wir uns alle hier zugemutet haben.
5 Milliarden Jahre Natur- und Weltgeschichte mal eben auf läppischen 50 Metern unterzubringen, das war schon ein Wagnis. Ein umfangreicheres und umfassenderes Thema hätte man sich gar nicht ausdenken können.

Aber der Lerneffekt dieses Bildes hat ebenfalls maximale Größe erreicht.

Wer die 50 Meter Wandbild von Anfang bis Ende entlangschreitet, der "bildet" sich, ob er will oder nicht. Das Panorama beginnt ja mit der Entstehung des Sonnensystems aus dem kosmischen Staub, geht dann über in die vulkanische Phase der Erde, es entsteht das Urmeer und darin dann die ersten Einzeller und darauf folgend die Mehrzeller. Dann folgt die Eroberung des Landes als Lebenswelt, das Zeitalter der Saurier, darauf folgt das Zeitalter der Säugetiere, die Entstehung des Menschen und seine Kultur­geschichte, von den Höhlen über die Pfahlbauten bis zu den großen Hochkulturen.
Und absoluter Gipfelpunkt und vorläufiger Abschluss der Evolutions­geschichte ist – wie sollte es auch anders sein – natürlich die Theodor-Heuss-Grundschule.

Hier wurde, in jahrelanger Zusammenarbeit von Schülern und Künstlern, ein allumfassender Zeitstrahl anschaulich, verständlich und auch humorvoll illustriert. Das gibt es wirklich nur einmal, und zwar hier.

Und obwohl das Bild und die dargestellten Fakten selbstverständlich erscheinen, erlauben Sie mir, darauf hinzuweisen, dass das alles so selbstverständlich gar nicht ist. In den USA, wo ja ein regelrechter Kulturkampf um die Evolutionstheorie geführt wird, wäre ein solches Evolutionsbild an Schulen nicht ohne weiteres möglich gewesen. Dort stünden jetzt wahrscheinlich bibeltreue Evangelikale und sonstige Fundamentalisten mit Trillerpfeifen vor den Türen. Sie würden vielleicht verlangen, dass auf der gegenüberliegenden Wand der biblische Schöpfungsmythos dargestellt werden wird, als Gegenentwurf sozusagen. Eine erschreckend hohe Zahl von US-Amerikanern glaubt ja tatsächlich, die Erde sei nur 7000 Jahre alt. Auf dem Urmeer dieses Gegenbildes würde dann gemütlich die Arche Noah schaukeln. Das ist ja auch eine nette Geschichte, aber eben nur eine Geschichte. Die Evolutionstheorie hingegen beschreibt die Wirklichkeit. Und auch diese kann und muss Grundschülern zugemutet werden. Die Evolutionstheorie steht ja hierzulande erst frühestens ab der 10. Klasse auf dem Lehrplan. Wie schön, dass die Theodor-Heuss-Grundschule ihren Schülern viel mehr zutraut und da ordentlich vorgegriffen hat.

Vielen Dank allen Beteiligten, den Kindern, den Lehrern, der Arbeiter­wohlfahrt, der Schulleitung, Dank auch unserem Schirmherrn Ober­bürger­meister Dirk Elbers und den Mitgliedern meines Teams, vor allem an David Salomo und Malte Schulz, der hier viele, viele Tage mit den Kindern verbracht hat und das Projekt kräftig vorangetrieben hat.

Und ab und zu kam ich auch mal gucken – und ich sah, dass es gut war.

Vielen Dank