Rheinische Post, 21.2.2009, von Birgit Wanninger und Thomas Busskamp (Fotos)

Prinzenwagen wie im Märchen

Der Rosenmontagszug kann starten. Gestern feierten die Wagenbauer mit Vertretern der Vereine, Freunden aus der Nachbarschaft und Sponsoren Richtfest. Trotzdem ist immer noch etwas zu tun. Die Motivwagen bleiben streng geheim.

Da soll einer noch mal sagen, Karnevalisten können nicht feiern. Das können sie sehr wohl, und zwar am besten sich selbst. Gestern Nachmittag in der Wagenbauhalle Am Steinberg gab es nur schöne Worte und auch ein paar Versprecher.

Den größten hatte dabei der Mann, der das Mikro so liebt: Engelbert Oxenfort, Präsident des Comitees Düsseldorfer Carneval (CC). Der begrüßte nämlich enthusiastisch Prinz Lothar und seine Venetia Barbara. Barbara ist aber die Venetia vom Vorjahr und seine Tochter. Also gab es ein paar Buhs, und Oxenfort entschuldigte sich mit fünf- bis zehnfachen Ute-Rufen.

Die wiederum ist zurzeit sehr gerührt und sehr nah am Wasser gebaut. Tränen hatte sie in den Augen, weil bald alles vorbei ist. Doch vor Aschermittwoch darf sie am Rosenmontag mit ihrem Lothar noch dem Narrenvolk zujubeln, Kamelle aufs Volk werfen und sich feiern lassen. Dabei fährt sie übermorgen auf einem Super-Schlitten durch die Stadt. Keine Frage - der Prinzenwagen ist ein Meisterstück aus den Händen von Jacques Tilly und seinem Team.

Vor allem Doris George und Marc Remmert - die dafür auch einen Orden bekamen - haben immer wieder Feinarbeit geleistet. Die beiden weißen Tiger, die den Prinzenwagen ziehen, sind mitten im Sprung festgehalten. Sie sehen so natürlich aus - und sind doch nur aus Pappmaché. Aber das ist nur der Anfang. Es folgt eine Kutsche, in der das Prinzenpaar stehen, nicht sitzen wird. Und die Kutsche erinnert ein wenig an die aus Disneys Zeichentrick-Film Aschenputtel.

Keine Frage, ein Meisterwerk von Jacques Tilly

Zur Krönung hat sie auf beiden Seiten exakt den Prinzenorden in Herz-Form, nur wesentlich größer, um nicht zu sagen riesig. Dabei leuchtet das knallige Rot selbst beim Prinzenwagen.

So stand das Prunkstück gestern im Mittelpunkt des traditionellen Richtfestes in der Wagenbauhalle. Dicht gedrängt stehen die Wagen der Vereine in der Halle Am Steinberg. Bei der Tonnengarde aus Niederkassel lacht beispielsweise eine knallige Sonne vom Wagen aufs Dorf. Beim Kinderprinzenclub ist der Maikäfer genauso groß wie das Ferkel, und beide blicken fröhlich drein. Auf dem Wagen der Rheinischen Post lächelt vorne ein gelber Smiley. Denn: "Trotz Pleitegeier trotzen wir der Krise". Fröhlich geht es auch bei Air Berlin zu. Sechs Menschen aus sechs Ländern fliegen auf dem Flugzeug. Ein Wagen also schöner als der andere. Manche sind sogar schon mit Kamelle bepackt.

Trotzdem gibt es noch viel zu tun, wie Zugleiter Hermann Schmitz sagt. Er bedankte sich bei allen Mitarbeitern, die in den vergangenen Wochen gesägt, gebastelt, geklebt und geflucht haben. Nur einen erwähnte Schmitz namentlich: CC-Geschäftsführer Jürgen Rieck. Dem wünschte er gute Besserung, "denn Jürgen, wir brauchen dich". Der knurrige CC-Chef äußerte sich über seinen Gesundheitszustand, so wie es seine Art ist, nicht.

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Haben den tollen Prinzenwagen immer wieder bearbeitet: Doris George und Marc Remmert vom Team Tilly.

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"Lass uns der Krise trotzen", lautet das Motto des Wagens der Rheinischen Post.

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Karnevalisten feiern gerne, auch sich selbst.

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