Zeitung "Tusch", Juni 2005

Düsseldorfer Wagenbauworkshops sind ein Volltreffer

Trainerstunde für den KV Waldalgesheim.

 
Düsseldorf (rhi)

„Nie wieder die schweren Gipsbinden“, rief Christa Vellenzer erleichtert, als sie und ihre Kollegen in die Rezeptur des Knochenleims eingeführt wurden. Acht Personen des „Karnevalsverein Waldalgesheim 1905“ hatten sich Ende Mai in der Wagenbauhalle Düsseldorf eingefunden und dort am „Workshop Wagenbau“ des Düsseldorfer Wagenbaumeisters Jacques Tilly teilgenommen. In wenigen Stunden bauten sie unter seiner Anleitung drei Figuren. „Diese Geschwindigkeit ist einfach verblüffend normalerweise brauchen wir drei- bis viermal so lange“, meinte Heinz Glatz, der „Kreativmeister“ der Truppe. Und Werner Vellenser hofft: „Vielleicht haben wir ja zukünftig mehr Zeit für andere Dinge und brauchen nicht unmittelbar nach Rosenmontag mit dem Wagen fürs nächste Jahr anzufangen.“
 
Das erfahrene Team baut schon seit Jahren gemeinsam die prächtige Saaldekoration für die Veranstaltungshalle in Waldalgesheim, einer Gemeinde von rund 4000 Einwohnern bei Bingen am Rhein. Und die Bälle, die dort stattfinden sind schon allein wegen ihrer Dekoration über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Eine zehn Meter lange Lokomotive hing schon unter der Hallendecke oder eine ganze China-Welt inklusive Riesendrachen wurde erschaffen. Die Figuren dienen dann anschließend als Wagendekoration im Rosenmontagszug. Während des Jahres trifft sich das Deko-Team wöchentlich, um neue Projekte voranzutreiben. Doch bei zunehmendem Objektgewicht häuften sich die technischen Probleme. Was lag da näher, als bei Jacques Tilly einen Kurs in der berühmten Düsseldorfer Leichtbauweise zu buchen?
 
Der zweitägige Kurs vermittelte das ganze Spektrum des Wagen- und Figurenbaus – von der Bauzeichnung über die Grundkonstruktion bis zur Bemalung mit der Spritzpistole. Es gab auch kleinere Vorträge über das Bildhauern mit Styropor und die vollplastische Karikatur. Jacques Tilly verriet alle seine Tricks und Kniffe – keine Frage blieb unbeantwortet.
 
„Für jeden von uns war etwas dabei“, meinte Klemens Jung. Das Angebot sei vielseitig gewesen und dennoch sei man überall in die Tiefe gegangen. „In jedem Fall werden wir jetzt weniger schweißen und verstärkt auf leichte Materialien setzen. Das Seminar war gut aufgeteilt, die Mischung aus Theorie und Praxis war optimal“, so Jung weiter, der bereits einen Fortsetzungskurs in Düsseldorf plant.
 
Und was sagte der Meister selbst zu seinem Workshop-Team? „Für mich ist das immer sehr angenehm, eine fähige und schon eingespielte Gruppe anzuleiten. Die Leute kennen sich und gehen direkt ans Werk. Und da die künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten auch schon hoch waren, brauchten wir nicht bei null anzufangen.“
 
Die Sonderworkshops beim Wagenbaustar Tilly für einzelne Vereine aus ganz Deutschland finden immer öfter statt, die Anfragen häufen sich. Gerade jetzt, wenn das Geld immer knapper wird, lohnt es sich, in der Technik und so mit den Kosten „abzurüsten“, und auf die Leichtbauweise mit Dachlatten, Biegeleisten, Maschendraht und Papier umzusteigen. Tillys Ruf als Wagenbaulehrer ist übrigens schon weit über die deutschen Grenzen hinausgedrungen. Die ersten Vereine aus der Schweiz und aus den Niederlanden haben jetzt ihre Workshops bei Tilly gebucht.
 
„Tusch“-Internet-Tipp: www.karnevalswagen.de